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19.07.2012, Stellungnahme von Jan van Aken

Warum ich für die Zulassung der Beschneidung gestimmt habe

Die Debatte um die Beschneidung minderjähriger Jungen ist zum Teil auch rassistisch aufgeladen. Aber nur weil ein Haufen Rassisten plötzlich das Kindeswohl für sich entdeckt hat und gegen Beschneidung mobil macht, müssen wir als LINKE nicht gleich zwangsläufig DAFÜR sein. Ich bin es aber trotzdem, aus folgendem Grund:

 

Es geht hier im Kern um eine Abwägung zwischen den Grundrechten auf Religionsfreiheit und körperliche Unversehrtheit. Über die sehr hohe Bedeutung der Beschneidung in Judentum und Islam besteht Einigkeit. Ich stelle jedoch – nach einem Streifzug durch die medizinische Fachliteratur – in Frage, dass eine mindestens ebenso bedeutsame Verletzung der körperlichen Unversehrtheit der Jungen durch die Beschneidung vorliegt.

 

In einem Punkt sind sich die MedizinerInnen, die in diesem Bereich wissenschaftlich arbeiten, einig: dass eine Beschneidung von Jungen sowohl gesundheitliche Nachteile als auch Vorteile haben kann. Während mögliche Schäden auf der Hand liegen - Infektionen, Blutungen, Schmerzen oder andere Folgen/Komplikationen des Eingriffs - gibt es auch sehr viele Hinweise auf mögliche medizinische Vorteile der Beschneidung. So gibt es eindeutige Studien, die ein vermindertes HIV-Infektionsrisiko und ein vermindertes Risiko für bestimmten Arten von Peniskrebs bei beschnittenen Männern klar belegen. In der Medizin gibt es deshalb seit langem eine Debatte über die medizinischen Chancen und Risiken der Beschneidung minderjähriger Jungen. Ein abschließendes klares Votum für oder gegen die Beschneidung aus rein medizinischer Sicht gibt es international nicht. Im angelsächsischen Raum gibt es Stellungnahmen verschiedener Ärzteorganisationen, die die verschiedenen möglichen Risiken und Vorteile der Beschneidung betonen, deshalb eine grundsätzliche Stellungnahme für oder gegen Beschneidung ablehnen und es ausdrücklich der Entscheidungsgewalt der Eltern überlassen. 

 

Wenn der aktuelle Stand der Wissenschaft ist, dass aus medizinischer Sicht kein eindeutiges Votum für oder gegen Beschneidungen abgegeben werden kann, dann kann auch ein Verbot der Beschneidung minderjähriger Jungen nicht medizinisch begründet werden. Auch als ziemlich überzeugter Atheist gewinnt hier für mich die Religionsfreiheit die Debatte, deshalb bin ich für eine gesetzliche Klarstellung, dass eine medizinisch fachgerechte Beschneidung von Jungen ohne unnötige Schmerzen grundsätzlich zulässig ist. 

 

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